Kurze Einführung in die japanische Schrift

Zur schriftlichen Fixierung der japanischen Sprache werden zwei verschiedene Arten von Schriftzeichen verwendet.

– Silbenschriftzeichen (Kana):

a) Hiragana ひらがな

b) Katakana カタカナ

– phonoideographische Zeichen:

Kanji 漢字

Ganz allgemein kann man sagen, daß die Darstellung auf der semantischen Ebene weitgehend durch Kanji und auf der morphologischen und syntaktischen Ebene durch die Hiragana erfolgt. Die Schreibung kann vonn rechts nach links mit senkrechter Zeilenanordnung (tategaki 縦書き) oder von links nach rechts mit waagerechter Zeilenanordnung (yokogaki 横書き) erfolgen. In Zeitungen, Zeitschriften und in der Belletristik trifft man überwiegend die senkrechte Zeilenanordnung an, während naturwissenschaftliche und technische Texte wegen der Verwendung von arabischen Ziffern, Formeln und Termini in Lateinschrift fast ausschließlich horizontal von links nach rechts geschrieben wird.

Die Silbenschriftarten

Die neben den Kanji zur Fixierung japanischer Texte benutzten Silbenschriftzeichen (Kana) haben sich in zwei Varianten entwickelt:

  • die Hiragana aus den Kursivformen der Kanji (aus der sog. sôsho 草書)
  • die Katakana aus abgekürzten bzw. vereinfachten Formen der Kanji (abgeleitet aus der kaisho 楷書)

Jedes Silbenschriftzeichen gibt im Japanischen den Lautwert einer ganzen Silbe wieder; man kann also nicht aus den Zeichen auf die in den Silben enthaltenen Vokale oder Konsonanten schließen.

Die Anwendungsbereiche dieser beiden Silbenschriftarten sind einigermaßen gegeneinander abgegrenzt: die Hiragana werden in der Regel für die Wiedergabe aller morphologischer Formen, wie der Joshi und Jodôshi, aber auch ganzer Wörter der rein japanischen Lexik, wie z.B. Fukushi, Setsuzokujoshi oder Kandôshi benutzt. Die Katakana sind dagegen heute zu einer Art Hilfsschrift geworden; sie dienen gewöhnlich zur Wiedergabe von Fremdwörtern aus anderen, meist europäischen Sprachen sowie von ausländischen Namen oder Bezeichnungen. In beiden Silbenschrift-Alphabeten werden die einzelnen Silben der gojû-on-zu 五十音図 mit je einem Silbenschriftzeichen belegt; diese werden als Grundzeichen auch bei der kombinierten Lautdarstellung verwendet.
Auf folgender Tabelle werden die Hiragana und Katakana in einer Tabelle gegenübergestellt.

Hinweise für die Schreibung der einzelnen Kana werden unter gegeben, entsprechende Übungen folgen anschließend.

Hiragana


wa


ra


ya


ma


ha


na


ta


sa


ka


a

 
(w)i


ri


mi


hi


ni


chi


shi


ki


i

 
(w)u


ru


yu


mu


fu


nu


tsu


su


ku


u

 
(w)e


re


me


he


ne


te


se


ke


e


(w)o


ro


yo


mo


ho


no


to


so


ko


o


n

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Katakana


wa


ra


ya


ma


ha


na


ta


sa


ka


a

 
(w)i


ri


mi


hi


ni


chi


shi


ki


i

 
(w)u


ru


yu


mu


fu


nu


tsu


su


ku


u

 
(w)e


re


me


he


ne


te


se


ke


e


(w)o


ro


yo


mo


ho


no


to


so


ko


o


n

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die weiteren auftretenden Lautkombinationen haben sich feste Schreibweisen eingebürgert, die im folgenden kurz erläutert werden.
daku-on
濁音werden durch zwei kleine parallele Striche (nigori にごり) rechts oben neben dem sei-on 清音 der ka-gyô, sa-gyô, ta-gyô und ha-gyô gekennzeichnet.


ba


da


za


ga


bi


ji


ji


gi


bu


zu


zu


gu


be


de


ze


ge


bo


do


zo


go

Nach den Regeln der Schriftreform sollen die Silben ji und zu bis auf wenige Ausnahmen mit und geschrieben werden.

Die han-daku-on 半濁音 werden durch einen kleinen Kreis (maru まる) rechts oben neben dem Silbenschriftzeichen der ha-gyô gekennzeichnet.


pa


pi


pu


pe


po

Alle bisher besprochenen Silben werden durch ein Silbenschriftzeichen dargestellt (choku-on 直音). Zu den Silben, für deren Darstellung mehr als ein Kana-Zeichen notwendig ist, gehören die yô-on 拗音 . Zu ihrer Bezeichnung wird dem Anlautkonsonanten aud der entsprechenden i-dan das Silbenschriftzeichen aus der ya-gyô etwas kleiner rechts nachgestellt — bei waagerechter Zeilenanordnung nach unten ausgerückt.

りゃ
rya

みゃ
mya

ひゃ
hya

にゃ
nya

ちゃ
cha

しゃ
sha

きゃ
kya

りゅ
ryu

みゅ
myu

ひゅ
hyu

にゅ
nyu

ちゅ
chu

しゅ
shu

きゅ
kyu

りょ
ryo

みょ
myo

ひょ
hyo

にょ
nyo

ちょ
cho

しょ
sho

きょ
kyo

 

ぴゃ
pya

びゃ
bya

ぢゃ
ja

じゃ
ja

ぎゃ
gya

ぴゅ
pyu

びゅ
byu

ぢゅ
ju

じゅ
ju

ぎゅ
gyu

ぴょ
pyo

びょ
byo

ぢょ
jo

じょ
jo

ぎょ
gyo

Die Kennzeichnung der soku-on 促音erfolgt in modernen Texten durch ein kleines, rechts nachgestelltes (bei waagerechter Zeilenanordnung nach unten ausgerücktes) Kana-Zeichen つ、ツ, das vor dem zu verdoppelnden Konsonanten steht.

りっぱだ

rippada

prächtig sein, herrlich sein

にほんがっか

nihongakka

Japanologie (als Abteilung)

しゅっせき

shusseki

Anwesenheit

いっしょ

issho

zusammen, gemeinsam

ろっぴゃく

roppyaku

sechshundert

しゅっぱつ

shuppatsu

Abreise, Abfahrt

きっさてん

kissaten

Café

けっか

kekka

Ergebnis, Resultat

ちょっと

chotto

Augenblick, Moment

たってください

tattekudasai

Bitte stehen Sie auf!

Sowohl choku-on 直音 als auch yô-on 拗音 können mit einem langen Vokal auftreten; es entstehen chô-on 長音. Nach der modernen Kana-Orthographie werden die Silben folgendermaßen gelängt:

â

:

dem Kana-Zeichen aus der a-dan wird ein a angefügt

î

:

dem Kana-Zeichen aus der i-dan wird ein i angefügt

û

:

dem Kana-Zeichen aus der u-dan wird ein u angefügt

ê

:

dem Kana-Zeichen aus der e-dan wird ein e angefügt

ô

:

dem Kana-Zeichen aus der o-dan wird in der Regel ein u angefügt!

 

Es gibt jedoch auch einige Wörter, bei denen Silben mit langem o durch ein nachgestelltes o gelängt werden.

In Fremdwörtern, die in Katakana geschrieben sind, wird die Längung durch einen nachfolgenden Strich in Schreibrichtung angezeigt.

おばあさん

(Ihre) Mutter

きょうしつ

Seminarraum

ちいさい

klein sein

こうこう

Oberschule

くうこう

Flughafen

きょう

heute

にゅうがく

Immatrikulation

おおきい

groß sein

おねえさん

(Ihre) ältere Schwester

おおい

zahlreich sein

いもうと

jüngere Schwester

コーヒー

Kaffee

しょくどう

Speiseraum

ヨーロッパ

Europa

どようび

Sonnabend

ビール

Bier

きょうだい

Geschwister

アンケート

Umfrage

りょうしん

Eltern

ポーランド

Polen

Die Kanji

Die chinesischen Zeichen, die in der japanischen Schrift verwendet werden, werden als Kanji 漢字 bezeichnet. Die erste Bekanntschaft mit den Kanji sowie ihre Übernahme begann etwa im 4. Jahrhundert, als sich Beziehungen zwischen Japan und China auf dem Weg über einen der koreanischen Staaten (Kudara) zu entwickeln begannen. Die Kanji wurden nicht nur in ihrer graphischen Gestalt und mit ihrem Bedeutungsgehalt übernommen; gleichzeitig kam damit auch die zur Zeit ihrer Übernahme in China übliche chinesischsprachige Lesung nach Japan, wobei das jeweilige Zeichen sinngemäß auch entsprechend der rein japanischen Lexik gelesen werden konnte. So ergibt sich folgendes Bild: ein Kanji mit bestimmter äußerer Gestalt und bestimmter Bedeutung kann einerseits mit dem Äquivalent aus der japanischen Lexik belegt werden, andrerseits mit der übernommenen chinesischen Aussprache, die im Laufe der Zeit dem japanischen Lautsystem angepaßt wurde und deshalb als sinojapanisch bezeichnet wird, gelesen werden.

Ein Kanji hat im allgemeinen eine japanische Grundlesung (kun ), die aber je nach Wortart, Funktion im Satz, Kontext usw. variieren kann; diese Varianten sind in der Regel an den nachfolgenden Kana (okurigana 送りがな) erkennbar.

高い

たかい

hoch sein (Keiyôshi)

高める

たかめる

erhöhen (Dôshi)

高まる

たかまる

sich erhöhen (Dôshi)

高さ

たかさ

die Höhe (Meishi)

Kanji, die im Text allein stehen, werden mit wenigen Ausnahmen japanisch, d. h. nach ihrem kun gelesen, Komposita dagegen seltener (s. unten!).

Bei einigen Kanji, den sog. kokuji 国字, die in Japan selbst analog zu den echten Kanji gebildet wurden, fehlt in der Regel die sinojapanische Lesung, und sie verfügen nur über kun, wie z. B.:

はたけ

Feld, Acker

とうげ

(Berg-) Paß

つじ

Kreuzweg, Kreuzung

Für einige der kokuji wurde sogar eine sinojapanische Lesung „erfunden“, wie z. B. für

働く

はたらく (kun)

どう (on)

arbeiten

Bei der sinojapanischen Lesung (on ) ist folgendes zu beachten: Der größte Teil der Kanji besitzt neben der Kun-Lesung mehrere On-Lesungen — eine Folge von Entlehnungen zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen chinesischen Provinzen.
Es gibt drei Hauptperioden, in denen Kanji mit ihrem
on übernommen wurden:

4.–8. Jahrh.

go-on

呉音

8.–10. Jahrh.

kan-on

漢音

nach dem 12. Jahrh.

tô-in

唐音 (auch tô-on)

Einige Kanji haben On-Lesungen, die sich nicht in eine der genannten Gruppen einordnen lassen, die sog. kan'yô-on 慣用音 („usuelle Lesungen“), die sich durch eine ursprünglich falsche Wiedergabe der chinesischen Lesung entstanden sind, dann aber beibehalten wurden.
Nicht jedes Kanji verfügt über alle drei Arten von On-Lesungen. Überwiegend gebraucht werden von den meisten Kanji die
kan-on, während die go-on und tô-in nur in der Lexik bestimmter geistiger und materieller Bereiche (z. B. Buddhismus, Zen-Buddhismus u. a.) auftreten. In den üblichen Wörterbüchern sind die On-Lesungen nicht nach diesen Gruppen unterschieden.

 

 

on

kun

 

go-on:

ショウ

はえる

wachsen, sprießen

kan-on:

セイ

うまれる

geboren werden

いきる

leben

なま

roh

rein, unvermischt

go-on:

ギョウ

いく

gehen, fahren

kan-on:

コウ

おこなう

machen, durchführen

tô-in:

アン

 

 

 

 

 

 

go-on:

ながれる

fließen, strömen

kan-on:

リュウ

ながす

fließen lassen, gießen

In den Meishi-Komposita werden die Kanji überwiegend nach ihrem on, d. h. in der Mehrzahl nach ihrem kan-on, gelesen.

学生

がくせい

Student

大学

だいがく

Universität

勉強

べんきょう

Studium, das Lernen

教室

きょうしつ

Seminarraum

授業

じゅぎょう

Unterricht

出席

しゅっせき

Anwesenheit

午後

ごご

Nachmittag

図書館

としょかん

Bibliothek

Meishi-Komposita, deren Bestandteile nach ihrem kun gelesen werden, sind seltener.

建物

たてもの

Gebäude

手紙

てがみ

Brief

果物

くだもの

Obst, Früchte

Neben diesen regelmäßigen Lesungen gibt es eine Reihe von Ausnahmen. Dazu gehören in erster Linie die sog. ateji (当字, „angepaßte Zeichen“), bei denen die Kanji nach ihrem on oder kun meist nur phonetisch, selten auch semantisch zur Wiedergabe von Begriffen benutzt wurden. Nach den Bestimmungen der Schriftreform sollen solche Zeichenverbindungen jedoch mit Kana-Zeichen geschrieben werden.
Ferner gibt es selten vorkommende Lesungen von Komposita, bei denen jeweils ein Kanji nach dem
kun, das andere nach dem on gelesen wird.

字引

じびき

Wörterbuch

地主

じぬし

Grundbesitzer, Junker

毎朝

まいあさ

jeden Morgen

Aufbau eines Kanji

Ursprünglich stellten die chinesischen Zeichen in ihrer einfachsten Form ein vereinfachtes Abbild des betreffenden Gegenstandes dar. Diese Art von Zeichen wird im allgemeinen als Piktrogramm bezeichnet. Zu den Piktogrammen gehören z. B die folgenden Kanji:

Sonne, Tag

entstanden aus:

Berg

entstanden aus:

Fluß

entstanden aus:

Mensch

entstanden aus:

Baum

entstanden aus:

Feuer

entstanden aus:

Auge

entstanden aus:

Mund

entstanden aus:

oben

entstanden aus:

unten

entstanden aus:

Die Anzahl solcher Pikrogramme ist jedoch gering. Eine weitere, etwas größere Gruppe von Kanji sind die sog. Ideogramme, deren Bedeutung durch Konvention festgelegt ist und die z. T. durch Zusammensetzung aus einfachen piktographischen Zeichen entstanden sind, wie z. B.:

Osten (Sonne geht hinter einem Baum auf)

Wald (dreimal das Zeichen für Baum)

ausruhen (Mensch lehnt an einen Baum)

Die Bedeutung dieser Zeichen ist aus ihren Elementen erklärbar, jedoch enthalten sie ebensowenig wie die Piktogramme Hinweise für die Lesung (s. unten!).
Die meisten Kanji hatten phonoideographischen Charakter. Die Lesung (d. h. natürlich nur das
on) des Zeichens ließ sich ursprünglich aus einem seiner Bestandteile ableiten oder ist z. T. noch heute mit diesem identisch; der zweite Bestandteil gibt bei dieser Art von Zeichen einen Hinweis auf den Bedeutungsbereich. Demnach lassen sich die Kanji in ihrer überwiegenden Mehrheit jeweils in einen phonetischen und einen semantischen Bestandteil zerlegen. Zum Beispiel fallen die Bedeutungen aller folgenden Kanji im weitesten Sinne unter den Bedeutungsbereich „sprechen“
.

ゲン
(
ゴン)

Wort
sprechen

Gedicht

Chronik
aufzeichnen

セツ

Meinung, Ansicht, Theorie
erklären

ヒョう

Urteil, Kritik
kommentieren

ホウ

Besuch
besuchen

キョ

Erlaubnis
erlauben

Wort

Erzählung
erzählen

Dialekt, Mundart

Wort, Rede, Sprache
erzählen, sprechen

Beschreibung, Aufzeichnung

Die on dieser Kanji lassen sich teilweise noch aus ihren phonetischen Teil erkennen:

己(キ)コ

語 ゴ

方 ホウ

司 シ

化 カ

志 シ

Die handschriftliche Form der Kanji kann je nach Schreibtempo sehr variieren. Man unterscheidet gewöhnlich drei Schreibstilarten: kaisho 階書, gyôsho 行書 und sôsho 草書.

Es ist daher äußerst wichtig, beim Erlernen der Kanji die Strichfolge (hitsujun 筆順) genau zu beachten, um die handschriftlichen Formen der Kanji erkennen zu können; die in den Wörterbüchern benutzten Drucktypen weichen nur unwesentlich von den gewöhnlichen Schreibtypen ab, z. B.:

3 Striche:

5 Striche:

Die Klassenzeichen

Die Kanji werden in Zeichenwörterbüchern überwiegend nach ihren bedeutungsmäßigen Elementen angeordnet. Im Laufe der Zeit haben sich 214 solcher Grundelemente herausgebildet, die als Klassenzeichen, Radikale oder Klassenhäupter (jibu 字部 oder bushu 部首) bezeichnet werden. Ursprünglich waren es bedeutend mehr. Noch heute wird in fast allen japanischen Zeichenwörterbüchern (kanji-jiten 漢字辞典 oder kanwa-jiten 漢和辞典) dieses Prinzip zur Anordnung der Kanji verwendet. Die Radikale können innerhalb der Kanji an ganz bestimmten Stellen erscheinen. [Ideografische Beschreibungen]

Untereinander werden die Radikale nach der Anzahl der Striche (1 bis 17 Striche) angeordnet, numeriert und in einer Liste zusammengefaßt (bushu-sakuin 部首索引). Nachfolgend werden nur die wichtigsten Radikale aufgeführt. In jedem Zeichenwörterbuch befindet sich eine vollständige Liste der Klassenzeichen (meistens im vorderen und hinteren Deckel, oft auch eine Tabelle auf einer einzelnen Karte). Ein Teil der Radikale trägt besondere japanische Bezeichnungen; für den Anfänger ist es jedoch nicht notwendig, diese zu erlernen.

1-Strich-Radikale

1

 

eins

2-Strich-Radikale

8

なべぶだ

Deckel

9

人(

にんべん

Mensch

13

 

(umfassen)

18

刀(刂)

(りっとう)

Schwert, Messer

19

(ちから)

Kraft

20

 

(einwickeln)

22

 

(Kasten)

27

がんだれ

(Abhang)

3-Strich-Radikale

30

口( )

くちへん

Mund

31

くにがまえ

(Begrenzung)

32

つちへん

Erde, Erdboden

37

 

groß

38

女( )

おんなへん

Frau

39

 

Kind

40

うかんむり

(Dach)

41

 

Zoll (als Längenmaß)

44

(しかばね)

Leichnam

46

やまへん

Berg, Gebirge

53

广

まだれ

(Schrägdach)

54

えんにょう

(bewegen)

57

弓( )

ゆみへん

Bogen (zum Schießen)

59

さんづくり

(Haartracht / Lichtstrahlen)

60

ぎょうにんべん

(Schritt)

(61)

 

りっしんべん

(Herz)

(64)

 

てへん

(Hand)

(85)

 

さんずい

(Wasser)

(94)

 

けものへん

(Hund)

(140)

 

くさかんむり

(Gras)

(162)

 

しんにょう

(vorwärtsgehen)

(163)

 

おおざとへん

(Dorf)

(170)

 

こざとへん

(Hügel)

4-Strich-Radikale

61

心(

 

Herz

62

(ほこがまえ)

(Speer)

64

手(

てへん

Hand

66

攵(

(のぶん)

(schlagen)

67

 

(Literatur)

72

ひへん

Sonne, Tag

74

つきへん

Mond, Monat

75

きへん

Baum, Holz

76

(あくび)

mangeln, schulden

79

(るまた)

(Lanzenschaft)

85

水( )

 

Wasser

86

火(

ひへん

Feuer

93

牛( )

うしへん

Rind

94

犬(

 

Hund

(113)

 

しめすへん

(zeigen, ankündigen)

(125)

 

おいかんむり

(alt)

(130)

 

にくづき

(Fleisch)

(162)

 

しんにょう

(vorwärtsgehen, bewegen)

5-Strich-Radikale

104

 

やまいだれ

krank

105

はつがしら

(gespreizte Beine)

109

(めへん)

Auge

113

しめすへん

zeigen, ankündigen

115

のぎへん

Korn, Körnerfrüchte

117

 

stehen

(145)

 

ころもへん

(Kleidung)

6-Strich-Radikale

118

竹( )

たけかんむり

Bambus

119

米( )

こめへん

Reis

120

糸( )

いとへん

Faden

125

老( )

おいかんむり

alt

130

肉( )

にくづき

Fleisch

140

艸( )

くさかんむり

Gras

145

衣( )

ころもへん

Kleidung

7-Strich-Radikale

149

ごんべん

Wort, sprechen

154

(かいへん)

Muschel

156

(そうにょう)

laufen

159

車( )

(くるまへん)

Wagen

162

 ( )

しんにょう

(vorwärtsgehen, bewegen)

163

邑( )

おおざとへん

Dorf

8-Strich-Radikale

167

金( )

かねへん

Metall, Gold

169

もんがまえ

Tor

170

阜( )

こざとへん

(Hügel)

172

隹( )

(ふるとり)

(Vogel)

173

雨( )

あめかんむり

Regen

(184)

 

しょくへん

(essen, Nahrung)

9-Strich-Radikale

181

(おおがい)

(Kopf)

184

食( )

しょくへん

essen, Nahrung

10-/11-Strich-Radikale

187

 

Pferd

195

 

Fisch

Der Aufbau eines Wörterbuchs

Um ein Kanji in einem Zeichenwörterbuch aufzusuchen, gibt es im wesentlichen drei Methoden:

(1) Man ermittelt beim aufzusuchenden Kanji das Klassenzeichen und zählt die Anzahl der Striche des übrigen Teils aus. Zeichenwörterbücher geben in der Regel im vorderen und hinteren Deckel eine vollständige Radikalliste.

  • Japanischsprachige Zeichenwörterbücher geben meistens unter jedem Radikal die Seitenzahl an, auf der die Kanji mit dem betreffenden Radikal beginnen; auf jeder Seite des Wörterbuches sind am oberen oder seitlichen Rand ein Radikal und die auf der jeweiligen Seite behandelten Kanji zu finden.
  • Europäischsprachige Zeichenwörterbücher geben dagegen in der Radikalliste meistens unter jedem Radikal die Radikal-Nummer an; diese Nummern stehen im Wörterbuch durchgängig am oberen oder seitlichen Rand jeder Seite.

Im Wörterbuch sind die Kanji unter einem bestimmten Radikal nach der Strichzahl des Teiles angeordnet, der nicht Radikal ist (europäischsprachige Wörterbücher geben diese zusätzliche Strichzahl häufig zur Radikal-Nummer auf jeder Seite an).

Radikal: 9

zusätzl. Strichzahl: 5

Radikal: 75

zusätzl. Strichzahl: 1

Radikal: 60

zusätzl. Strichzahl: 6

Radikal: 64

zusätzl. Strichzahl: 8

Diese Zeichen finden sich z. B. im Tôyôkanji-jiten 当用漢字辞典 auf folgenden Seiten:

auf Seite 32

Hinweis am seitl. Rand:(人の部)佐

auf Seite 246

Hinweis am seitl. Rand:(木の部)未

auf Seite 171

Hinweis am seitl. Rand:(行の部)律

auf Seite 208

Hinweis am seitl. Rand:(手の部)帰

In einem europäischsprachigen Zeichenwörterbuch mit Angabe der Radikal-Nummern wären sie an folgenden Stellen auffindbar:

unter 9.5

unter 75.1

unter 60.6

unter 64.8

Die verschiedenen Zeichenwörterbücher gehen bei der Einordnung der Kanji nicht immer einheitlich vor, so daß ein und dasselbe Kanji in verschiedenen Wörterbüchern unter unterschiedlichen Radikalen stehen kann. Das trifft besonders für Kanji zu, bei denen mehrere Elemente Radikal sein könnten, wie z. B.:

unter , 128.8

oder unter

, 169.6

(2) Fast alle japanischsprachigen Zeochenwörterbücher besitzen einen Index, der die Kanji nur nach ihrer Gesamtstrichzahl (sôkaku-sakuin 総画索引) anordnet. Es muß also die Gesamtstrichzahl des aufzusuchenden Kanji genau ausgezählt werden. Innerhalb der gleichen Strichzahl sind die Kanji untereinander nach der Reihenfolge der Radikale aufgeführt. Unter den Kanji im Index ist meistens die Seite, auf der die jeweiligen Kanji behandelt werden, oder (bei durchnumerierten Zeichenwörterbüchern, wie z. B. dem Tôyôkanji-jiten) eine Nummer angegeben.

(3) Japanischsprachige Zeichenwörterbücher besitzen in der Regel einen Index, in dem sämtliche Lesungen nach dem gojû-on aufgeführt werden (on-kun-sakuin 音訓索引); On-Lesungen werden in Katakana und Kun-Lesungen in Hiragana gegeben. Dieser Index empfiehlt sich in den Fällen, wenn mindestens eine Lesung des aufzusuchenden Kanji bekannt ist.

Schwierigkeiten beim Aufsuchen bereiten besonders die vereinfachten Kanji, deren neue Gestalt durch die Schriftreform festgelegt worden ist. Bei einigen Kanji ist das ursprüngliche Radikal durch die Vereinfachung nicht mehr erkennbar.

In solchen Fällen erscheint das Kanji auch heute noch meistens in seiner vollen Form unter dem alten Klassenzeichen; an der Stelle, wo es nach dem augenscheinlich neuen Radikal zu vermuten ist, wird ein Verweis auf die volle Form gegeben. Auch Kanji, bei denen die Strichzahl im Teil außerhalb des Radikals verringert wurde, stehen gewöhnlich an der Stelle mit der vollen Strichzahl; bei dem vereinfachten Kanji findet sich daher ebenfalls ein Verweis auf die volle Form.

Europäischsprachige Zeichenwörterbücher haben in der Regel einen Index mit schwer auffindbaren Kanji.

Soll die Lesung einer Kanji-Zusammensetzung ermittelt werden, so ist im Prinzip nach denselben Methoden zu verfahren: das erste Kanji wird in einem Zeichenwörterbuch aufgesucht; nach der Angabe der on und kun gibt jedes Wörterbuch die wichtigsten Zusammensetzungen an, in denen das betreffende Kanji an erster Stelle erscheint.

Schriftreform

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, und zwar seit 1964, wurde in Japan eine Schriftreform durchgeführt. Diese Reform ging in mehreren Etappen vor sich. Als erstes wurden am 16. November 1964 zwei Kabinettsverordnungen erlassen, die die Anzahl der zu benutzenden Kanji und neue Orthographieregeln festlegten.

Tôyôkanji-hyô 当用漢字表 enthielt 1850 Kanji, die als die gebräuchlichsten angesehen wurden und daher für den allgemeinen und öffentlichen Schriftverkehr empfohlen wurden. In den nachfolgenden Jahren gab es dazu mehrere Ergänzungs- und Änderungsvorschläge; der letzte datiert vom März 1979 (Jôyôkanji-hyô 常用漢字表).

Gendai-kanazukai 現代かなづかい legte neue Orthographieregeln für den Gebrauch der Silbenschrift fest, die im wesentlichen auf der Aussprache der modernen japanischen Sprache beruhen und die davon stark abweichende alte Rechtschreibung ablösten (nur bei den Joshi wa , wo und e blieb sie erhalten). Durch die moderne Orthographie fielen einige Kana-Zeichen weg, da sie lautlich durch andere Silben realisiert werden, z. B.: (w)i und (w)e

Beispiele für die moderne Orthographie:

おはる

――

おわる

かひませう

――

かいましょう

In den nächsten Jahren folgten weitere Bestimmungen.

Tôyôkanji-beppyô 当用漢字別表: legte 881 Kanji für den sechsjährigen Grundschulunterricht fest (gimukyôiku-kanji 義務教育漢字).

Tôyôkanji-onkun-hyô 当用漢字音訓表: legte für jedes Tôyôkanji die zulässigen on und kun fest und stellte somit angesichts der vorher vorhandenen zahlreichen Lesungsmöglichkeiten für jedes Kanji eigentlich eine drastische Einschränkung dar. 844 Kanji hatten nur on, 30 Kanji nur kun und 976 Kanji on und kun.

Tôyôkanji-jitai-hyô 当用漢字字体表: legte für jedes Tôyôkanji die Zeichengestalt fest; dazu wurden Strichzahlen reduziert, Doppelformen abgeschafft, Abkürzungen als offizielle Kanji zugelassen und Schreibrichtungsänderungen vorgenommen, z. B.:

Jinmeiyô-kanji-beppyô 人名用漢字別表: enthält heute 120 Kanji, die außer den Tôyôkanji für die Schreibung von Namen, überwiegend von Vornamen, zugelassen sind.

 

Quelle: Saito, Silberstein: Grundkurs der modernen japanischen Sprache