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Kurze Einführung in
die japanische Schrift
Zur schriftlichen Fixierung der
japanischen Sprache werden zwei verschiedene Arten von Schriftzeichen
verwendet.
Ganz allgemein kann man sagen, daß die
Darstellung auf der semantischen Ebene weitgehend durch Kanji und auf der
morphologischen und syntaktischen Ebene durch die Hiragana erfolgt. Die
Schreibung kann vonn rechts nach links mit senkrechter Zeilenanordnung (tategaki
縦書き) oder von links nach
rechts mit waagerechter Zeilenanordnung (yokogaki 横書き) erfolgen. In Zeitungen, Zeitschriften
und in der Belletristik trifft man überwiegend die senkrechte Zeilenanordnung
an, während naturwissenschaftliche und technische Texte wegen der Verwendung
von arabischen Ziffern, Formeln und Termini in Lateinschrift fast
ausschließlich horizontal von links nach rechts geschrieben wird. Die Silbenschriftarten
Die neben den Kanji zur Fixierung
japanischer Texte benutzten Silbenschriftzeichen (Kana) haben sich in zwei
Varianten entwickelt:
Jedes Silbenschriftzeichen gibt im
Japanischen den Lautwert einer ganzen Silbe wieder; man kann also nicht aus den
Zeichen auf die in den Silben enthaltenen Vokale oder Konsonanten schließen. Die Anwendungsbereiche dieser beiden Silbenschriftarten sind
einigermaßen gegeneinander abgegrenzt: die Hiragana werden in der Regel für die
Wiedergabe aller morphologischer Formen, wie der Joshi und Jodôshi, aber auch
ganzer Wörter der rein japanischen Lexik, wie z.B. Fukushi, Setsuzokujoshi oder
Kandôshi benutzt. Die Katakana sind dagegen heute zu einer Art Hilfsschrift
geworden; sie dienen gewöhnlich zur Wiedergabe von Fremdwörtern aus anderen,
meist europäischen Sprachen sowie von ausländischen Namen oder Bezeichnungen.
In beiden Silbenschrift-Alphabeten werden die einzelnen Silben der gojû-on-zu
五十音図 mit
je einem Silbenschriftzeichen belegt; diese werden als Grundzeichen auch bei
der kombinierten Lautdarstellung verwendet. Hinweise für die Schreibung der einzelnen Kana werden unter
gegeben, entsprechende Übungen folgen anschließend. Hiragana
Katakana
Für die weiteren auftretenden Lautkombinationen haben sich feste
Schreibweisen eingebürgert, die im folgenden kurz erläutert werden.
Nach den Regeln der Schriftreform sollen die Silben ji und zu
bis auf wenige Ausnahmen mit じ
und ず geschrieben werden. Die han-daku-on 半濁音
werden durch einen kleinen Kreis (maru まる)
rechts oben neben dem Silbenschriftzeichen der ha-gyô gekennzeichnet.
Alle bisher besprochenen Silben werden durch ein Silbenschriftzeichen dargestellt (choku-on
直音). Zu den Silben, für
deren Darstellung mehr als ein Kana-Zeichen notwendig ist, gehören die yô-on
拗音 . Zu ihrer
Bezeichnung wird dem Anlautkonsonanten aud der entsprechenden i-dan das
Silbenschriftzeichen aus der ya-gyô etwas kleiner rechts
nachgestellt — bei waagerechter Zeilenanordnung nach unten ausgerückt.
Die Kennzeichnung der soku-on 促音erfolgt
in modernen Texten durch ein kleines, rechts nachgestelltes (bei waagerechter
Zeilenanordnung nach unten ausgerücktes) Kana-Zeichen つ、ツ,
das vor dem zu verdoppelnden Konsonanten steht.
Sowohl choku-on 直音
als auch yô-on 拗音
können mit einem langen Vokal auftreten; es entstehen chô-on 長音. Nach der
modernen Kana-Orthographie werden die Silben folgendermaßen gelängt:
In Fremdwörtern, die in Katakana geschrieben sind, wird die
Längung durch einen nachfolgenden Strich in Schreibrichtung angezeigt.
Die Kanji
Die chinesischen Zeichen, die in der
japanischen Schrift verwendet werden, werden als Kanji 漢字 bezeichnet. Die erste Bekanntschaft mit den Kanji sowie ihre
Übernahme begann etwa im 4. Jahrhundert, als sich Beziehungen zwischen Japan
und China auf dem Weg über einen der koreanischen Staaten (Kudara) zu
entwickeln begannen. Die Kanji wurden nicht nur in ihrer graphischen Gestalt
und mit ihrem Bedeutungsgehalt übernommen; gleichzeitig kam damit auch die zur
Zeit ihrer Übernahme in China übliche chinesischsprachige Lesung nach Japan,
wobei das jeweilige Zeichen sinngemäß auch entsprechend der rein japanischen Lexik
gelesen werden konnte. So ergibt sich folgendes Bild: ein Kanji mit bestimmter
äußerer Gestalt und bestimmter Bedeutung kann einerseits mit dem Äquivalent aus
der japanischen Lexik belegt werden, andrerseits mit der übernommenen
chinesischen Aussprache, die im Laufe der Zeit dem japanischen Lautsystem
angepaßt wurde und deshalb als sinojapanisch bezeichnet wird, gelesen werden. Ein Kanji hat im allgemeinen eine japanische Grundlesung (kun
訓), die aber je nach
Wortart, Funktion im Satz, Kontext usw. variieren kann; diese Varianten sind in
der Regel an den nachfolgenden Kana (okurigana 送りがな)
erkennbar.
Kanji, die im Text allein stehen, werden mit wenigen Ausnahmen
japanisch, d. h. nach ihrem kun gelesen, Komposita dagegen seltener
(s. unten!). Bei einigen Kanji, den sog. kokuji 国字,
die in Japan selbst analog zu den echten Kanji gebildet wurden, fehlt in der
Regel die sinojapanische Lesung, und sie verfügen nur über kun, wie
z. B.:
Für einige der kokuji wurde sogar eine sinojapanische
Lesung „erfunden“, wie z. B. für
Bei der sinojapanischen Lesung (on 音)
ist folgendes zu beachten: Der größte Teil der Kanji besitzt neben der
Kun-Lesung mehrere On-Lesungen — eine Folge von Entlehnungen zu
verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen chinesischen Provinzen.
Einige Kanji haben On-Lesungen, die sich nicht in eine der
genannten Gruppen einordnen lassen, die sog. kan'yô-on 慣用音 („usuelle Lesungen“), die sich durch eine
ursprünglich falsche Wiedergabe der chinesischen Lesung entstanden sind, dann
aber beibehalten wurden.
In den Meishi-Komposita werden die Kanji überwiegend nach ihrem on,
d. h. in der Mehrzahl nach ihrem kan-on, gelesen.
Meishi-Komposita, deren Bestandteile nach ihrem kun gelesen
werden, sind seltener.
Neben diesen regelmäßigen Lesungen gibt es eine Reihe von
Ausnahmen. Dazu gehören in erster Linie die sog. ateji (当字, „angepaßte Zeichen“), bei denen die Kanji nach ihrem on
oder kun meist nur phonetisch, selten auch semantisch zur Wiedergabe von
Begriffen benutzt wurden. Nach den Bestimmungen der Schriftreform sollen solche
Zeichenverbindungen jedoch mit Kana-Zeichen geschrieben werden.
Aufbau eines Kanji
Ursprünglich stellten die chinesischen
Zeichen in ihrer einfachsten Form ein vereinfachtes Abbild des betreffenden
Gegenstandes dar. Diese Art von Zeichen wird im allgemeinen als Piktrogramm
bezeichnet. Zu den Piktogrammen gehören z. B die folgenden Kanji:
Die Anzahl solcher Pikrogramme ist jedoch gering. Eine weitere,
etwas größere Gruppe von Kanji sind die sog. Ideogramme, deren Bedeutung durch
Konvention festgelegt ist und die z. T. durch Zusammensetzung aus
einfachen piktographischen Zeichen entstanden sind, wie z. B.:
Die Bedeutung dieser Zeichen ist aus ihren Elementen erklärbar,
jedoch enthalten sie ebensowenig wie die Piktogramme Hinweise für die Lesung
(s. unten!).
Die on dieser Kanji lassen sich teilweise noch aus ihren
phonetischen Teil erkennen:
Die handschriftliche Form der Kanji kann je nach Schreibtempo sehr
variieren. Man unterscheidet gewöhnlich drei Schreibstilarten: kaisho 階書, gyôsho 行書
und sôsho 草書.
Es ist daher äußerst wichtig, beim Erlernen der Kanji die
Strichfolge (hitsujun 筆順)
genau zu beachten, um die handschriftlichen Formen der Kanji erkennen zu
können; die in den Wörterbüchern benutzten Drucktypen weichen nur unwesentlich
von den gewöhnlichen Schreibtypen ab, z. B.:
Die Klassenzeichen
Die Kanji werden in Zeichenwörterbüchern
überwiegend nach ihren bedeutungsmäßigen Elementen angeordnet. Im Laufe der
Zeit haben sich 214 solcher Grundelemente herausgebildet, die als
Klassenzeichen, Radikale oder Klassenhäupter (jibu 字部 oder bushu 部首)
bezeichnet werden. Ursprünglich waren es bedeutend mehr. Noch heute wird in
fast allen japanischen Zeichenwörterbüchern (kanji-jiten 漢字辞典 oder kanwa-jiten 漢和辞典) dieses Prinzip zur Anordnung der Kanji
verwendet. Die Radikale können innerhalb der Kanji an ganz bestimmten Stellen
erscheinen. [Ideografische Beschreibungen] Untereinander werden die Radikale nach der Anzahl der Striche (1
bis 17 Striche) angeordnet, numeriert und in einer Liste zusammengefaßt (bushu-sakuin
部首索引). Nachfolgend werden
nur die wichtigsten Radikale aufgeführt. In jedem Zeichenwörterbuch befindet
sich eine vollständige Liste der Klassenzeichen (meistens im vorderen und
hinteren Deckel, oft auch eine Tabelle auf einer einzelnen Karte). Ein Teil der
Radikale trägt besondere japanische Bezeichnungen; für den Anfänger ist es
jedoch nicht notwendig, diese zu erlernen.
Der Aufbau eines Wörterbuchs
Um ein Kanji in einem Zeichenwörterbuch
aufzusuchen, gibt es im wesentlichen drei Methoden: (1) Man ermittelt beim aufzusuchenden Kanji das Klassenzeichen und
zählt die Anzahl der Striche des übrigen Teils aus. Zeichenwörterbücher geben
in der Regel im vorderen und hinteren Deckel eine vollständige Radikalliste.
Im Wörterbuch sind die Kanji unter einem
bestimmten Radikal nach der Strichzahl des Teiles angeordnet, der nicht Radikal
ist (europäischsprachige Wörterbücher geben diese zusätzliche Strichzahl häufig
zur Radikal-Nummer auf jeder Seite an).
Diese Zeichen finden sich z. B. im Tôyôkanji-jiten 当用漢字辞典 auf folgenden Seiten:
In einem europäischsprachigen Zeichenwörterbuch mit Angabe der
Radikal-Nummern wären sie an folgenden Stellen auffindbar:
Die verschiedenen Zeichenwörterbücher gehen bei der Einordnung der
Kanji nicht immer einheitlich vor, so daß ein und dasselbe Kanji in
verschiedenen Wörterbüchern unter unterschiedlichen Radikalen stehen kann. Das
trifft besonders für Kanji zu, bei denen mehrere Elemente Radikal sein könnten,
wie z. B.:
(2) Fast alle japanischsprachigen Zeochenwörterbücher besitzen
einen Index, der die Kanji nur nach ihrer Gesamtstrichzahl (sôkaku-sakuin
総画索引) anordnet. Es muß
also die Gesamtstrichzahl des aufzusuchenden Kanji genau ausgezählt werden.
Innerhalb der gleichen Strichzahl sind die Kanji untereinander nach der
Reihenfolge der Radikale aufgeführt. Unter den Kanji im Index ist meistens die
Seite, auf der die jeweiligen Kanji behandelt werden, oder (bei
durchnumerierten Zeichenwörterbüchern, wie z. B. dem Tôyôkanji-jiten)
eine Nummer angegeben. (3) Japanischsprachige Zeichenwörterbücher besitzen in der Regel
einen Index, in dem sämtliche Lesungen nach dem gojû-on aufgeführt
werden (on-kun-sakuin 音訓索引);
On-Lesungen werden in Katakana und Kun-Lesungen in Hiragana gegeben. Dieser
Index empfiehlt sich in den Fällen, wenn mindestens eine Lesung des
aufzusuchenden Kanji bekannt ist. Schwierigkeiten beim Aufsuchen bereiten besonders die
vereinfachten Kanji, deren neue Gestalt durch die Schriftreform festgelegt
worden ist. Bei einigen Kanji ist das ursprüngliche Radikal durch die
Vereinfachung nicht mehr erkennbar.
In solchen Fällen erscheint das Kanji auch heute noch meistens in
seiner vollen Form unter dem alten Klassenzeichen; an der Stelle, wo es nach
dem augenscheinlich neuen Radikal zu vermuten ist, wird ein Verweis auf die
volle Form gegeben. Auch Kanji, bei denen die Strichzahl im Teil außerhalb des
Radikals verringert wurde, stehen gewöhnlich an der Stelle mit der vollen
Strichzahl; bei dem vereinfachten Kanji findet sich daher ebenfalls ein Verweis
auf die volle Form.
Europäischsprachige Zeichenwörterbücher haben in der Regel einen
Index mit schwer auffindbaren Kanji. Soll die Lesung einer Kanji-Zusammensetzung ermittelt werden, so
ist im Prinzip nach denselben Methoden zu verfahren: das erste Kanji wird in
einem Zeichenwörterbuch aufgesucht; nach der Angabe der on und kun
gibt jedes Wörterbuch die wichtigsten Zusammensetzungen an, in denen das
betreffende Kanji an erster Stelle erscheint. Schriftreform
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg,
und zwar seit 1964, wurde in Japan eine Schriftreform durchgeführt. Diese
Reform ging in mehreren Etappen vor sich. Als erstes wurden am 16. November
1964 zwei Kabinettsverordnungen erlassen, die die Anzahl der zu benutzenden
Kanji und neue Orthographieregeln festlegten. Tôyôkanji-hyô 当用漢字表
enthielt 1850 Kanji, die als die gebräuchlichsten angesehen wurden und daher
für den allgemeinen und öffentlichen Schriftverkehr empfohlen wurden. In den
nachfolgenden Jahren gab es dazu mehrere Ergänzungs- und Änderungsvorschläge;
der letzte datiert vom März 1979 (Jôyôkanji-hyô 常用漢字表).
Gendai-kanazukai 現代かなづかい legte neue Orthographieregeln für den
Gebrauch der Silbenschrift fest, die im wesentlichen auf der Aussprache der
modernen japanischen Sprache beruhen und die davon stark abweichende alte
Rechtschreibung ablösten (nur bei den Joshi wa は,
wo を und e へ blieb sie erhalten). Durch die moderne Orthographie fielen einige
Kana-Zeichen weg, da sie lautlich durch andere Silben realisiert werden,
z. B.: (w)i und (w)e
Beispiele für die moderne Orthographie:
In den nächsten Jahren folgten weitere Bestimmungen. Tôyôkanji-beppyô 当用漢字別表: legte 881 Kanji für den sechsjährigen
Grundschulunterricht fest (gimukyôiku-kanji 義務教育漢字).
Tôyôkanji-onkun-hyô 当用漢字音訓表: legte für jedes Tôyôkanji die
zulässigen on und kun fest und stellte somit angesichts der
vorher vorhandenen zahlreichen Lesungsmöglichkeiten für jedes Kanji eigentlich
eine drastische Einschränkung dar. 844 Kanji hatten nur on, 30 Kanji nur
kun und 976 Kanji on und kun. Tôyôkanji-jitai-hyô 当用漢字字体表: legte für jedes Tôyôkanji die
Zeichengestalt fest; dazu wurden Strichzahlen reduziert, Doppelformen abgeschafft,
Abkürzungen als offizielle Kanji zugelassen und Schreibrichtungsänderungen
vorgenommen, z. B.:
Jinmeiyô-kanji-beppyô
人名用漢字別表: enthält heute 120
Kanji, die außer den Tôyôkanji für die Schreibung von Namen, überwiegend
von Vornamen, zugelassen sind. Quelle: Saito, Silberstein: Grundkurs der modernen japanischen
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